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Die erneuerte Paartaler Tracht

Ein neues Heimatgefphl in breiten Bevölkerungsschichten hatte schon in den siebziger Jahren das Verständnis für Brauchtum und Volkskultur gefördert und auch bei manchem den Wunsch nach einer bodenständigen Kleidung wach werden lassen. Im Verkehrsverein beschäftigte man sich deshalb intensiv mit der Trachtengeschichte im Schrobenhausener Land. Besondere Sorgfalt und biel Fingerspitzengefühl waren anschließend bei der Entwicklung der erneuerten Tracht gefordert. Bequem und dem midernen Leben angepaßt sollte sie sein und trotzdem die charakteristischen Merkamle der alten, im Paartal beheimateten, bäuerlich Kleidung tragen. Mitte 1981 konnte der Verkehrsverein die in Zusammenarbeit mit dem Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller erneuerte "Paartaler Tracht" vorstellen, Diese erneuerte Volkstracht basiert auf dem bäuerlichen Gewand, wie es in der Zeit um 1840 -1860 getragen wurde. Der Schnitt der Männertracht war bequem und beengte seinen Träger nich beim Einspannen und Kutschieren von Kutsche, Chaise und Gäuwagerl Mit Stolz zeigten unsere Vorfahren ihren Wohlstand durch die Verwendung zahlreicher Silberknöpfe an ihren Jacken und reicher Goldstickereien, breiter Goldborten sowie einem aufwendigen Geschnür mit mehreren Silbertalern am Frauenmieder. Lenbach und Hofner haben immer wieder Bauern in dieser, für unsers Gegend typischen Kleidung, gezeichnet und gemalt. Gelegenheiten die erneuerte Paartaler Tracht zu tragen, gibt es viele. Sie stellt seit Jahren eine echte Bereicherung dar und man ist bei vielen Anlässen mit ihr doch immer richtig angezogen. Vielleicht tragen auch Sie sich mit dem Gedanken, sich demnächst die Schrobenhausener Tracht zu nähen bzw. nähen zu lassen. Das vorliegende Blatt gibt Ihnen dazu alle nötigen Informationen.

Die erneuerte Tracht der Männer

Männer tragen eine fast schwarze Lederbundhose mit einem geknöpften Hosenlatz, der über beide Taschen reicht. Meist ist die Messertasche mit dem Monogramm des Trägers bestickt. Wahlweise kann auch eine lange schwarze Hose mit einem breiten Bund getragen werden. Gehalten wird sie von Trägern, die besticktoder mit einer bestickten Borte belegt werden. Vorne und oft aich hinten werden sie von Querstegen zusammengehalten. Zum leinernen weißen Hemd trägt man eine passende Schleife oder einen schwarzen Krawattenschal um den Kragen. Das Waste ist in dunklem, leicht gemustertem oder gesticktem Weinrot gehalten, hochgeschlossen, mit kleinem Kragen und mit zwei rein silbernen Münzen zum Zuknöpfen. Die Jacke ist aus dunkelgrünem oder fast schwarzem Tuch und reicht nur handbreit über die Hüften. Sie besitzt einen hohen Stehkragen und zwei Reihen silberne M+nzknöpfe, Wird die Jacke geschlossen getragen, knöpft man die Knopfleiste zu kurzen Reversen zurück. Die Knopflochleiste an der Weste und an der Joppe können auch ganz zurückgeknöpft werden. Vervollständigt wird die Tracht durch einen schwarzen, halbhohen Filzhut, leicht kegelförmig gearbeitet und mit hochgezogenem Rand, dem ein schwarzes Band aus Rips oder Samt ziert. Dazu trägt man schwarze Schnallen- oder Haferlschuhe und naturfarbene oder beige Wadenstrümpfe.

Die erneuerte Tracht der Frauen

Die festtagstracht besteht aus einem schwarzen Schürmieder, weinrotem Rock, dunkelgrüner Schürze und weißer Bluse. Am aufwendigsten ist das schwarze, bogeförmig ausgeschnittene Mieder, In ihm sind 30 Meter Schnur eingearbeitet, die als Ziernähte sichtbar sind und Halt geben. Nach historischem Vorbild wird das für unsere Gegend typische, stilisierte Lebensbaummotiv mit Goldfaden auf den Taillenrand das Miederrpckens gestickt. Eine umlaufende Geldborte ziert dessen oberein Teil. Geschnürt wird es mit Hilfe einer silberen Kette oder einer schmalen Borte, die zickzackförmig über die fünf paar silbernen Miederhaken geführe wird. Der weinrote Rock ist in der Taille schmal gereiht oder in Falten gelegt. Den Saumabschluß bilden ein schwarzer Vorstoß (Kittelblech) oder eine gezackte Besenlitze. Mit einem Haken wird der Rock am Miederrücken gehalten. Eine dunkelgrüne, in sich gemustere, seidig glänzende Schürze ist in schmalen Galten abgesteppt. Die breiten Schürzenbänder mit spitzt zulaufenden Enden werden auf dem Rücken zu einer großen Schleife gebunden. Uner dem Mieder trägt man eine weiße Leinen- oder Baumwollbluse, deren enger, runder Halsausschnitt mit einem schmalen Bändchen in Schleifenform geschlossen wird. Die langen Schiebeärmel sind nach alter Überlieferung keulenförmig gebauscht. Zur Tacht kann man ein weißes, schwarzes oder grünrot gemustertes, mit der Kleidung harmonierendes Seidentuch tragen. Weiße Kniestrümpfe und halbhohe schwarze Lederschuhe mit breitem Absatz, eventuell mit Silberschnalle, vervollständigen die Tracht. Für kühle Tage und zu besonders festlichen Anlässen paßt ein schwarzer Spenser (Kasedl) mit großem, das Mieder überdeckendem Halsausschnitt und gebauschten Keulenärmeln. Verschiedene historische Rüschenformen verzieren den Ausschnitt. Eine kleine Stoffrosette schließt die rückwärtige Mittelnaht unten ab. Als Kopfbedeckung ist sowohl die schwarze Pelzhaube mit Goldstickerei im Scheitel, als auch die goldfarbene Ringelhaube möglich.

Das Werktagsgwand

Im Gegensatz zur Festtracht sind hier Mieder und Rock fest zu einem Kleidungsstück verbunden. Die Farbzusammenstellung ist jedoch die gleiche. Als Material werden Leinen und Baumwolle, also einfachere Stoffe, verwendet. Das schwarze Leibchen ist ähnlich wie das Festmieder geschnitten, nur leicht gefüttert und vorne mit einem schmalen Latz und einer Zackenleiste versehen. Es werden keine Knöpfe angebracht. Den Rücken ziert eine einfache, schwarze Stickerei. Der rote, unauffällig gemusterte Rock ist gefaltet und schließt mit einem schmalen, schwarzen Vorstoß als Saum ab. Dazu trägt man eine grün gemusterte Schürze, eine einfache, weiße, hochgeschlossene Bluse, weiße Kniestrümpfe und halbhohe schwarze Schuhe. An kühleren Tagen kann eine schwarze, taillenkurze Strickjacke mit groén Keulemarm getragen werden.